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Washington D.C.


District of Columbia (Washington D.C.)

Georgetown, Arlington & Washington

Von Bernd Küpperbusch

Schon ein erster Blick aus dem Fenster des Flugzeuges lässt erkennen, das diese Stadt ein wesentlich anderes Gesicht vorzeigt, als die meisten der amerikanischen Großstädte. Kein von Wolkenkratzern dominiertes Zentrum, sondern eine sehr kompakte und deutlich strukturierte Stadt liegt vor uns. Fast hätte dieser Landeanflug in einem mittleren Fiasko geendet, denn bei der Buchung, hatte ich nur angegeben, das ich nach Georgetown wolle, die dortige Universität zu besuchen. Die Rückfrage, ob- Georgetown in Washington ? - hatte ich mit einem deutlichen „Ja“ bestätigt und wäre auf diesem Wege locker mehrere Tausend Kilometer weiter westlich gelandet, wäre da nicht ein freundlicher Mensch gewesen, der mich kenntnisreich darauf aufmerksam machte, das ihm im Bundesstaat Washington keine Universität in der Stadt Georgestown bekannt sei, wohl aber in Washington D.C.

Damit hatte ich meine erste Lektion gelernt, nie wieder dieses D.C. zu vergessen, wenn es um die regionale Lagebestimmung ging, damit jede Form von Verwechselung auszuschließen ist. Das diese Abkürzung für „District of Columbia“ stand, und darauf hinweist, das die Stadt keinem Bundesstaat angehört und als Distrikt direkt dem Kongress der Vereinigten Staaten zugeordnet ist, war mir durchaus bekannt, aber wäre mir diese Unachtsamkeit tatsächlich passiert, hätte ich die Lacher wohl nicht auf meiner Seite gehabt. Also herzlichen Dank an den aufmerksamen Mitflieger !

Der sich übrigens zu meinem großen Glück als ein Stadtrat der amerikanischen Hauptstadt herausstellte, bei dem ich sofort einen erstklassigen Kursus in amerikanischer Grundlagenpolitik belegen konnte. Dies war insofern ein äußerst günstiger Umstand, als das ich seit langem versuchte ,zwei Dinge zu verstehen, die mir bislang sehr kompliziert und für einen Außenstehenden kaum begreifbar erschienen: Einmal das amerikanische Wahlrecht und die Regeln des American Football. Zumindest für ersteres hatte ich nun einen kompetenten Gesprächspartner gefunden, der mir mit viel Geduld die Abläufe und Regeln erläuterte und so viele meiner Wissenslücken füllte. Das dabei viel Überraschendes für mich auftauchte, verwundert wohl nicht. Allein die Information, das der Kongress der eigentliche Stadtrat von Washington ist und jederzeit Beschlüsse des überhaupt erst seit 1974 vorhandenen Gremiums ändern oder aufheben kann, war für mich vollkommen neu. Diese Information als Gedankenspiel auf den Deutschen Bundestag zu übertragen, setzt einige witzige Fantasien frei...

Einig war ich mit meinem Gesprächspartner darüber, das die Stadt schon ein sehr besonderes Flair hat, wenn man bedenkt, das hier nicht nur das Machtzentrum des Landes mit Kongress, Weißem Haus und Pentagon ist, sondern darüber hinaus viele Institutionen angesiedelt sind, die alle eine weltweite Bedeutung haben, wie z. B. die Organisation Amerikanischer Staaten, der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank. Und seit der Bilder über die Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten millionenfach in die Wohnstuben der Welt flimmerten, sind mir die Erläuterungen meines Mentors Bild gewordene Abläufe eines Vorganges, der einem Mitteleuropäer in dieser Form doch eher unbekannt ist. Diese „Inauguration“ ist eigentlich nur eine Zeremonie, die die friedliche Übergabe der Macht symbolisiert, ein Vorgang, der bei uns nach den Wahlen ein fast emotionsloser, beinah bürokratisch wirkender Akt ist. Dereinst als angelsächsisches Ritual in die Neue Welt importiert, ist es eine bedeutende Tradition in den Staaten, und Amerika wäre nicht Amerika, würde nicht diese Inszenierung alle bekannten Maßstäbe sprengen. Übrigens soll es im alten Britannien dereinst üblich gewesen sein, das im Rahmen der Inauguration, der nachfolgende Herrscher körperlich in die Fußstapfen seines Vorgängers treten musste, die in einem Stein als Abdruck verewigt waren. Da würde ich dann mal vermuten, das die anwesende Fangemeinde doch große Hoffnung hatte, das die Schuhgröße des Neuen, die des Alten doch um einiges übertrifft. das dann aber wiederum mehr im symbolischen Sinne !

Mit jeder Menge solcher Informationen ausgerüstet, ist die Erkundung der Stadt noch mal so interessant, zumal es kein Problem ist, in vielen der Institutionen ausgezeichnete Materialien zu erhalten oder auch an sachkundigen Führungen oder Vorträgen teilzunehmen. Im Mittelpunkt aller Besuche stehen dabei natürlich zuerst das United States Capitol, das Pentagon, das Lincoln Memorial, das Washington Monument und natürlich das Weiße Haus. Doch etwas Zeit sollte unbedingt auch für die in großer Zahl vorhandenen Museen eingeplant werden. Wie in fast allen amerikanischen Großstädten, findet man auch in Washington D.C. eine Vielzahl beeindruckender Häuser, stellvertretend sollen nur die National Gallery of Art, das National Museum of the American Indian oder das National Air and Space Museum genannt werden. Finden lässt sich dies alles sehr einfach, denn wie schon aus dem Flugzeug erkennbar, ist die Stadt orientierungsfreundlich gegliedert in ausschließlich gerade verlaufende Strassen, mit rechtwinkelig ansetzenden Zügen. Einer meiner persönlichen Höhepunkte des Besuches hier war zweifelsohne die Besichtigung des Arlington National Cemetry. Dieser Militärfriedhof, der seit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg besteht, liegt in einer herrlichen Landschaft am Potomac River im Staat Virginia, ist aber nah am Stadtzentrum von Washington D.C. gelegen.

Auch wenn für viele Besucher Arlingtons, die Begräbnisstätte des ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy einen Mittelpunkt darstellt, war ich tief beeindruckt vom Vietnam Memorial. In respektvollem Abstand ist es ergreifend zu sehen, wenn junge Menschen aus allen Teilen der Staaten hier in den Suchbüchern Namen ermitteln, diese dann auf den großen Steintafeln feststellen, anschließend in ihren Konturen auf das Papier übertragen, welches sie dann mitnehmen in ihre Heimatorte oder Schulen, um ihrer Angehörigen zu gedenken. Ein lehrreiches Ritual im Umgang mit einem schwierigen Stück Geschichte.

Doch nun gilt es abschließend nach Georgetown, dem eigentlichen Ziel meines Besuches, zu fahren. Die Universität liegt am westlichen Rand dieses Stadtteiles, der vor allem durch eine große Anzahl an Parks und sonstigen Grünflächen ,geprägt ist. Früher eigenständige Stadt, ist Georgetown heute ein lebendiger Teil der Hauptstadt, der vor allem auch durch das studentische Leben hier beeinflusst ist. Besonders anziehend empfinde ich die alten Teile des Ortes, wo man sich wieder einmal zeitversetzt glaubt, und eine große Zahl an Geschäften, die zum Stöbern regelrecht einladen. In einer Galerie wurde mir tatsächlich ein Originaldruck von Andy Warhol angeboten, der, ich gestehe es unumwunden, gern von mir mitgenommen worden wäre. Allerdings- es verschlug mich ob des erbetenen Preises, bei aller Begeisterung, sehr schnell aus der Galerie und hinein in einen Laden für Original Levis Hosen, wo zwischen Angebot und finanzieller Machbarkeit ein wesentlich besseres Verhältnis bestand...

Und so verbrachte ich die restliche Zeit mit neuen Jeans am Ufer des Potomac, der auf seinem Weg zur Chesapeake Bay den Washington Harbour Complex lieblich umspült, und wenn ich mich nicht sehr getäuscht habe, lief ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat direkt an meiner Bank vorbei. Schade, das mein Washingtoner Stadtrat nicht mit hier war, der hätte es natürlich genau gewusst. Ich muss ihn mal anrufen...!!

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Arlington Militärfriedhof
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Sources: Von Bernd Küpperbusch - Autoren Info: Bernd Küpperbusch
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