• twitter.com/magazinusa
  • facebook.com/magazinusa
  • Besucht uns auch auf:
Diesen Artikel...
 

USA Reiseinformationen

Mehr als Hamburger und Hot Dogs - ein unvollständiger Streifzug durch Amerika's Küche

Von Bernd Küpperbusch

Länder erkunden heißt, nicht nur mit offenen Augen und Ohren durch Städte und Landschaften ziehen, sondern auch dem Reiz nachgeben, den Angeboten der Küchen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, damit auch Nase und Gaumen ihren Anteil am Kennenlernen leisten können.

Ein Land auf seinen kulinarischen Pfaden zu bewandern, ist regelrecht spannend und verrät wohl mehr über seine Menschen als manch museales Event.
Mehr als einmal ist mir dabei die fest zementierte Meinung begegnet, das die Geschmacksnerven beim Eintauchen in die Küche der USA ja nicht sonderlich belastet werden, da das „genussvolle“ Erleben doch ohnehin nur aus dem Wechselspiel des Verzehrens von Burgern und Hot Dogs besteht.
Dieses immer wieder anzutreffende Vorurteil besitzt ein äußerst hartnäckiges Leben und lässt völlig außer acht, dass es allein zwei Aspekte gibt, die dieser Stigmatisierung entgegenstehen. Zum einen die Größe des Landes –bezieht man das einmal auf Europa, so erkennt jedermann, das z.B. am Nordkap auf Grund anderer regionaler und meteorologischer Gegebenheiten, logischerweise anders gekocht wird als auf Sizilien. Diese Situation gilt für die Vereinigten Staaten natürlich in gleicher Weise, nur eben noch ein bisschen umfänglicher.

Zum anderen die Bevölkerungsstruktur: nirgendwo entdecken wir einen solchen Schmelztiegel an unterschiedlichen Nationalitäten, die sich in einem gemeinsamen Staatengebilde versammelt haben. Und so finden sich dann auch zwangsläufig jede Menge an überkommenen Elementen ihrer ehedem heimatlichen Küche in der neuen Esskultur wieder.

Amerikanische Küche?

Stellt sich also die Frage: Gibt es dann überhaupt die gemeinsame amerikanische Küche ? Was wir tatsächlich immer und überall sehen, sind die Fast Food Restaurants mit ihren Imbissangeboten. Da wir diese aber überall auf der Welt finden, hat sich wohl der Eindruck verfestigt, dies ist sie - die amerikanische Küche.

Es ist auch nicht zu leugnen, das diese Form des Essens eine Klammer darstellt, die mehr wahrgenommen wird, als jede andere. Und bedenkt man, das die amerikanische Gesellschaft die mobilste ist, die man sich vorstellen kann, so verwundert es schon nicht mehr, das Essen in kurzer Zeit, bei üppigen und möglichst preiswerten Portionen zu einem wahren Renner wurde.

Der Aufbau der Eisenbahn führte zu den ersten Diners, das Auto brachte die Drive Ins hervor, und die Route 66 hat regelrecht legendäre Bedeutung für spezielle Entwicklungen auf dem Gebiet des Fast Foods.

Erinnert sei nur daran, das die erste Pizza tatsächlich in Chicago kreiert wurde, der erste Hot Dog erblickte in St. Louis das Licht der Welt und der erste McDonalds Hamburger ging in San Bernardino über den Tresen.

Das diese Entwicklung zurückzuführen ist auf die „Chuck wagons“, aus denen die Siedler und Cowboys ihre Versorgung auf ihren unendlich langen Trecks sicherstellten, wie mir ein freundlicher Hot Dog Verkäufer in St. Louis erklären wollte, halte ich dann aber doch für etwas weit hergeholt.

Ich glaube eher, in einem Land, wo Henry Ford als erster im Automobilbau die Standardisierung, Normung und Fließfertigung einführte, war es nur eine Frage der Zeit, wann solche Gedanken auch von einem cleveren Fleischklopsbrater erkannt und genutzt wurden, seine Produkte mit hoher Effektivität an den Kunden zu bringen. Und man kann dazu stehen wie man will, der wirtschaftliche Erfolg bis in unsere Tage zeigt ja, dass er nicht eben falsch lag.

Doch zurück zur Ausgangsfrage, dem Vorhandensein einer allumfassenden amerikanischen Küche. Man kommt auf seiner Suche da wohl nicht umhin, die Gerichte ins Blickfeld zu nehmen, die an den bedeutenden Feiertagen keinesfalls fehlen dürfen.

So bildet Thanksgiving und der obligatorische Truthahn auf fast jedem Tisch eine ähnlich unzerstörbare Einheit, wie in Deutschland der Gänsebraten zu Weihnachten.
Diese Festagsbraten bringen die amerikanischen Küchen aber nur an wenigen Tagen im Jahr auf einen gemeinsamen kulinarischen Nenner. Das ganze Jahr über findet man aber wohl täglich -so mein persönlicher Eindruck bei den Touren kreuz und quer durch das Land- nur eine einzige Speise, die tatsächlich in jeder Region zuhause ist und die in der Beliebtheitsskala den wohl höchsten Rang einnimmt: den „All American Apple Pie“. Wie so oft auf dem Feld der kulinarischen Befindlichkeiten, streiten einige darum, wer denn nun der erste war, der diese köstliche Leckerei den Amerikanern geschenkt hat.

Besonders hartnäckig wird dieser Streit zwischen den Neuenglandstaaten und Virginia ausgetragen. Also mir sind die Urheberrechte ziemlich egal, zumal der Kuchen genauso lecker schmeckt, wie jener, den mir meine Großmutter schon in Kindertagen gebacken hat.
Überhaupt haben die „Neuengländer“ gar keine Veranlassung, einen solchen Streit zu führen, gehören doch gerade sie zu den Regionen, mit außerordentlich guten kulinarischen Angeboten. Lange vorbei die Zeiten als puritanische Köche nicht eben für Begeisterung mit ihren „boiled Dinners“ sorgten.

Der Nordosten: Krustentiere und andere Meeresbewohner

Die Staaten im Nordosten haben, bedingt durch ihre Küstenlage und durch den Einfluss indianischer Kochtraditionen, ein Angebot an speziellen Gerichten der Meeresküche, wie man sie ganz selten findet. Fast schon ein Markenzeichen ist die Vielfalt an Krustentieren und da wiederum der regelrecht legendäre“ Mainelobster“, der von vorzüglicher Qualität ganz einfach in Salzwasser gekocht und mit heißer Butter serviert wird.
Und als sehr angenehm darf empfunden werden, das die Preise sich vor Ort als sehr moderat zeigen.

Im Vergleich zu einem gleichwertigen Produkt habe ich nicht mal ein Viertel der Dollars spendieren müssen, die in San Francisco dafür fällig werden ! Auch sollte man es sich nicht entgehen lassen, einmal die berühmte „scrod“ zu genießen. Soweit ich die Angelegenheit verstanden habe, gibt es kein feststehendes Rezept für dieses Gericht, weil das einzige Kriterium für den Koch ist nicht die Art, sondern nur die Qualität und die Frische des Fisches, das heißt, was im Morgengrauen angelandet wurde, befindet sich maximal 60 Minuten später im Kochtopf. Die Restaurants führen einen regelrechten Wettbewerb um das beste „scrod“ und das Ergebnis ist in der Tat phänomenal.

Im Nordosten begann mit der Besiedlung des Kontinents auch die kulinarische Einflussnahme auf heutige Speisepläne durch die indianischen Ureinwohner. Nicht nur die Jagt zur Fleischbeschaffung, sondern vor allem das Kennenlernen von bis dahin in Europa völlig unbekannten Produkten revolutionierten die Essensgewohnheiten.

Zum kulinarischen Erbe gehören zuvorderst Kartoffeln und Tomaten, aber auch Mais, Bohnen und Kürbis. Und so verwundert es dann auch kaum, das man in „Beantown“, wie Boston auch scherzhaft genannt wird, richtig indianisch isst - ohne sich eigentlich darüber bewusst zu sein- wenn man Baked Beans mit Bauchspeck vertilgt, die auch noch mit Melasse aus der Rumherstellung gesüßt sind. Und um die Sache historisch sauber abzurunden, sollte man dann entweder zu einem Kuchen mit Kürbismus und Ahornsirup greifen oder stilecht zu einem Maisauflauf mit Melasse.

Die Kreolische und die Cajun Küche

Hört sich ungewöhnlich an, ist aber richtig gut. Die Geschichte mit der Rumherstellung führt automatisch zu einem Kapitel der Küche, die eng damit verbunden ist, das afrikanische und karibische Einflüsse vor allem im Süden größte Bedeutung haben.

Man sagt, sie seien die zwei besten Küchen Amerikas: die Kreolische und die Cajun Küche. Und in der Tat ist ein Jambalaya aus Krabben, Schinken, Zwiebeln und einer wahren Orgie von exotischen Gewürzen und Kräutern nicht das, was man ablehnen sollte! Einfach großartig ! Man kann natürlich auch Boudinwürstchen in einer Sosse aus Bier, Zwiebeln und Zuckerrohrsaft wählen, oder einen schweren Louisiana-Pecan-Nußkuchen mit einer aromatischen Bourbonwhiskeysahne, oder, oder, oder...

Man kann nicht genug schwärmen von diesen Speisen, die in ihrer Symbiose von sinnenfroher südlicher Art und dem französisch geprägten Kochstil einen Einblick geben in eine Cajun Küche von bedeutender Schärfe und der etwas milderen, aber sehr gewürzintensiven kreolischen. Mit den Gewürzen ist das ohnehin so eine Sache hier, viele erkenne ich überhaupt nicht, habe auch noch nie zuvor jemals von ihnen gehört- oder was ist Sassafras? Auf jeden Fall wird man es nie vergessen, denn es hilft nicht nur gut gegen jeglichen Voodoo Zauber, es schärft auch die Suppe so fantastisch, das man überlegt, den Kopf tief in den Mississippi zu tauchen um etwas lindernde Kühlung zu erhalten für das Inferno, welches schon der erste Löffel im hinteren Rachenbereich auslöst!

TexMex

Darin unterscheidet sich diese Küche gar nicht so sehr von einer anderen, die allgemein als TexMex bezeichnet wird, und wo man schon vom Namen auf die Herkunft schließen kann- Texanisch–Mexikanisch. Dieses eigentlich ursprünglich rein mexikanische Essen hat mittlerweile seinen Siegeszug auch durch Europa angetreten und findet immer mehr Zuspruch. Wer kennt sie nicht die Tacos, Enchiladas oder Fajitas und die Sossen, die zwischen mild und fruchtig bis höllisch scharf unseren Gaumen pendeln lassen zwischen Lust und Frust? Das ein Stück Fleisch nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Sache ist, mag Vegetarier weniger begeistern, aber immerhin befinden wir uns hier an Stellen, wo dereinst riesige Büffelherden die Prärie durchstreiften und heutige Farmen nicht wenig dazu beitragen, das man vom „Steakland“ spricht.

Und diese Region mit dem endlosen Himmel ist natürlich die beste Kulisse -vielleicht sogar am Lagerfeuer in der Einsamkeit der Prärie -eines dieser Prachtexemplare von saftigen Fleischscheiben in Angriff zu nehmen. Ein solches Steak braucht nur Salz, gebackene Kartoffeln, einen Topf heißen Kaffee und jede Menge Hunger, verriet mir mal ein Rancher, mit dem ich unterwegs war. Der Mann hat Recht !! Die hiesige Liebe zu ordentlichen Fleischportionen, findet verschiedentlich auch Ausdruck in festivalähnlichen Veranstaltungen.

So gibt es anlässlich des „Labour Day“ in Chicago sogar ein „Rib Festival“, bei dem in einem Wettgrillen der allseits beliebten Rippchen festgestellt wird, wer denn nun der beste „Rippchengrillmeister“ ist. In einem wahren Exzess aus Geheimrezepten, der Beschaffung von Brennholz ausschließlich vom Hickorybaum und ähnlichen, die Entscheidung schwer beeinflussenden Elementen, lässt sich die Begeisterung für ein gut gebratenes Stück Fleisch ableiten. Um so mehr verblüffte mich im speziellen Fall, dass der Sieger sein gut gebräuntes Rippchen mit Himbeermarmelade und Staubzucker veredelte... das hätte ich zu gerne mal probiert, aber leider war es blitzschnell alle...

Einflüsse aus Küchen der gesamten Welt

Eines lässt sich immer wieder feststellen, bereist man dieses Land: Es ist eine Legende, das sich der Amerikaner nur von Hot Dogs und Hamburgern ernährt, es ist das gleiche Klischee, als würde man behaupten, der Deutsche schaufelt jeden Tag Unmengen von Sauerkraut in sich hinein. Im Gegenteil- die Vielfalt an pikanter, anspruchsvoller ,inzwischen auch gesundheitsbewusster Gastronomie ist ausgesprochen hoch. Man sollte nicht vergessen, das gerade das Hervorbringen der Fitnesswelle speziell in Kalifornien, dazu geführt hat, dass damit ein Paradigmenwechsel in den Ess- und Ernährungsgewohnheiten erfolgt ist.

So ist die Verwendung von frischen und leichten Zutaten gerade in der „California Cuisine“ Ausgangspunkt für Anpassungen vieler anderer Regionalküchen gewesen. Die ethnische Vielfalt der Bevölkerung und damit verbunden die Einflüsse aus Küchen der gesamten Welt, bewirken ein übriges. Hier sei nur auf die chinesische oder japanische Küche hingewiesen, die eine überragende Bedeutung in der amerikanischen Essszenerie haben.

Aber auch weniger große Kochnationen haben deutliche Spuren an hiesigen Kochherden hinterlassen, beispielhaft dafür soll nur die jüdische stehen, die gerade in New York oder Orlando regelrechte Spitzengastronomie herzeigt.

Selbst die Küche der Amish, die bis zum heutigen Tage, wohl als einzige ethnische Gruppe, nicht im großen Schmelztiegel USA aufgegangen sind, haben mit ihrer elsässisch inspirierten Küche gerade im Nordosten einigen Einfluss.

Fazit

Bleibt zum Schluss nur noch die Frage nach den Küchenfavoriten zu klären. Dazu muss ich erst einmal feststellen, dass ich trotz der vielen Touren im Lande ,nur einen kleinen Teil kennengelernt habe, von dem, was da alles in den Kochtöpfen Amerikas brodelt...

Es wäre also sehr vermessen, auf dieser Basis ein Gesamturteil abgeben zu wollen, weil es einfach noch viel, viel mehr zu entdecken gibt auf diesem Feld des Kulinarischen. Einen Favoriten aus dem Kreis zu benennen, den ich kennengelernt habe, bin ich aber auch nicht in der Lage, denn eine Speise zu loben heißt, der anderen nicht gerecht zu werden!

Also gibt es für mich keine Rang –und Reihenfolge der Menüs. So bleibt die Neugier und die Offenheit für alles was da in Topf und Pfanne brutzelt und diese beiden „Zutaten“ sollten unbedingt dazugehören beim Erkunden der amerikanischen Küche, genauso wie Messer und Gabel oder auch die Bereitschaft zu akzeptieren, das man auch zuhause nicht alles liebt, was man auf seinem Teller findet.

Hot Dogs und Hamburger stehen allerdings bei meinen USA Besuchen nie auf dem Speiseplan. Nicht weil ich sie nicht mag, aber die schmecken in New York wie in Hongkong, oder wie in London oder wie in Berlin – und das ist doch unglaublich langweilig !!

.
 
 
American Food


American Food


American Hot Dog


New York Strip Steak
New York Strip Steak

Tortilla Suppe
Tortilla Suppe

Eggs and Beans
Eggs & Beans

Muffuletta
Muffuletta: eine New Orleans Spezialität hervorgebracht durch italienische Einwanderer.

   
.
 

Document Information
Sources: Von Bernd Küpperbusch - Autoren Info: Bernd Küpperbusch
copyright ©2000-2018 DENALImultimedia LLC; magazinUSA.com sowie Eigentümer. Alle Rechte vorbehalten.
Durch Nutzung dieser Website erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an, siehe:
:Terms, Disclaimer, Privacy, Datenschutz.

Besucht uns auch auf:
  • twitter.com/magazinusa
  • facebook.com/magazinusa