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Kalifornien

Grusel in Frisco und ein Stetson in Sacramento

Von Bernd Küpperbusch

Da leuchteten meinem Gegenüber regelrecht die Augen! Beim Zwischenstopp an der Ostküste, waren wir zufällig ins Gespräch nach dem woher und wohin gekommen und als er gehört hatte, das mich mein Weg nach San Francisco führen sollte, konnte er seine Begeisterung nicht zurückhalten.
„Also das Frisco eine der schönsten Städte der Staaten ist, muss ich Dir sicher nicht erzählen, aber Du hast so ein Glück, dass Du gerade zu Halloween da sein wirst, diese Stadt hat geradezu eine legendäre Bekanntheit für dieses Spektakel und zieht Besucher aus dem ganzen Lande an. Du musst Dir unbedingt im Stadtteil Castro die Parade anschauen, dann verstehst Du was ich meine“, rief mir mein Gesprächspartner noch zu, während er schon auf dem Weg zu seinem Flug nach Pittsburg war.

Zunächst empfing mich die großartige Stadt an der gleichnamigen Bucht mit herrlichem, spätherbstlichem Sonnenschein und ließ mich gleich etwas spüren von dem Charme, der ihr nachgesagt wird. Diese Weltoffenheit, präsentiert vor allem durch ihre Einwohner, die sich aus aller Herren Länder hier zusammengefunden haben, und denen Toleranz wohl nicht erst seit der „Flower Power“ Zeit wichtiges Kriterium des Zusammenlebens zu sein scheint. Auch wenn die Stadt ein wichtiges Zentrum wirtschaftlicher Prosperität ist, so bildet doch das Zusammenspiel von einzigartiger Architektur und Lebensstil einen eigenen, sich durchaus von anderen amerikanischen Städten deutlich unterscheidbaren Takt der Abläufe.
Blickt man von oben, wohl am besten von den „Tween Peaks“ über Stadt und Bucht, erhält man einen dann auch geographisch eingefärbten Eindruck. Das die eigentliche Stadt nur knapp eine Million Einwohner beherbergt, relativiert sich, wenn man das riesige Gebiet rings um die Bucht einbezieht und dann vernimmt, das hier so etwa fünf Millionen Menschen leben. Das dies in keiner Weise erdrückend wirkt, sondern regelrecht lieblich und harmonisch, zeigt jeder Blick der von der Bay Bridge zur Golden Gate Bridge schweift.
Diese Brücke gehört unumstritten zu den am meisten fotografierten Objekten auf diesem Planeten und kaum eine andere Stadt wird wohl so über ein Bauwerk identifiziert wie San Francisco und die Golden Gate - selbst Paris und der Eifelturm oder London und der Tower, haben alle Mühe, derartige Popularitätswerte zu erzielen! Allerdings darf man die Stadt keinesfalls nur auf diese Szenerie reduzieren, da gibt es wahrlich noch erheblich mehr. So sei nur auf die berühmten Cable Cars, das Civic Center, den berühmten Union Squere, die größte Chinatown ausserhalb Asiens oder den Touristenmagneten Fisherman´wharf hingewiesen.
Ich habe mich zusätzlich aufgemacht, die berühmte Gefängnisinsel Alcatraz aufzusuchen, denn ein „alter Bekannter“ aus meinen Chicagoaufenthalten, der berühmte Gangsterboss Al Capone, hatte hier ein spätes neues „Zuhause“ gefunden. Zusammen mit ähnlich fragwürdigen Perönlichkeiten, wie Pretty Boy Floyd oder Machine Gun Kelly, durfte er nun vom „The Rock“ aus , die liebenswerte und pulsierende Stadt betrachten, die zwar nur einen Steinwurf entfernt lag, aber durch eiskaltes Wasser und unberechenbare Strömungen unerreichbar war – eine Flucht war unmöglich und ist auch niemandem jemals gelungen. Was hätten Capone und sein Spießgesellen wohl gesagt, wenn sie geahnt hätten, das ab 1963 regelmäßige Fährverbindungen Besucher problemlos zwischen Insel und Stadt übersetzen ? Sie hätten sich wohl einige Plätze reservieren lassen !

Doch nun sollte auch der Tipp des freundlichen Passagiers von der Ostküste noch seine Bedeutung erlangen, denn der 31.10. war gekommen und damit der Halloweentag, der in ganz Amerika große Aufmerksamkeit hat.
Im Hotel erhielt ich freundlich Auskunft auf meine Frage, wie ich denn nach Castro komme: „Immer den Menschenmassen nach und wenn in den Fenstern die Anzahl an Regenbogenfahnen immer mehr zunimmt, dann bist du da !“.
Es ist in der Tat erstaunlich, wie dieses ursprünglich irische „All Hallows Eve“ in den Vereinigten Staaten zu einem Fest geworden ist, was nicht nur für Süßigkeiten erbettelnde Kinder, sondern eigentlich für Jeden hier, einen Höhepunkt im Ablauf der jährlichen Feierlichkeiten darstellt. Hier in Castro, und da hatte mein Tippgeber tatsächlich recht, wurden aber alle mir bis dahin bekannten Höhepunkte dieses Spektakels weit übertroffen ! Tausende Leute feierten in den nächtlichen Strassen und wohl jeder war bemüht, seinen Nachbarn in seinem grusligen Outfit möglichst weit zu übertreffen. Dabei lief alles mit großer Heiterkeit und jeder Menge Spass ab und Fremde- nein Fremde gab es nicht in dieser Nacht, alle schwatzten, lachten und scherzten durcheinander. das ganze wirkte so ein bisschen wie Karneval oder Fasching, aber eigentlich auch wieder ganz anders. Spätestens als mich ein Officer mahnend daran erinnerte, kein Bier öffentlich in der Hand zur Schau zu stellen, war mir klar, das es hier doch etwas anders als zuhause in Köln oder Düsseldorf abläuft. Man stelle sich vor—der Zug ohne Kölsch oder Alt! Doch hier geht es auch ohne den Alkohol oder eben... mit gut in Tüten getarntem! Jedenfalls ist die Gruselnacht in dieser Stadt tatsächlich das avisierte Erlebnis und man muss es einfach mal erlebt haben um zu verstehen, was hier so abläuft.

Und so geht die Fahrt am morgen danach zwar nicht ganz ausgeschlafen aber ansonsten vollkommen unbeschädigt weiter in Richtung Sacramento, wobei der Zwischenstopp im “Muir Woods National Monument“ ein Erlebnis der besonderen Art ist.
Hier wachsen die höchsten Bäume der Erde und blickt man an ihnen empor. Man kann man die Wipfel in der Tat mehr erahnen als sehen. Auch der Umfang der Stämme lässt vermuten, das ihr Alter von einer Dimension ist, welches Ehrfurcht entstehen lässt. Da gibt es Bäume, die haben hier schon im Küstennebel posiert, als Christoph Columbus zaghaft erste Schritte auf dem amerikanischen Kontinent machte und einige Exemplare sind sogar noch ein paar hundert Jahre älter !
Der kalifornische Schriftsteller John Steinbeck, der mit seinem Roman „Früchte des Zorns“ Weltruhm erlangte, bezeichnete die Redwoodbäume als Botschafter aus einer anderen Zeit... und man stellt bewundernd fest, dass er diese lyrische Fantasie als Sohn eines deutschstämmigen Finanzbeamten entwickelt hat !

Mit Sacramento ist nun die Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien erreicht, die dies schon seit 1854 für sich in Anspruch nehmen kann.
Das sie im Zuge des Goldrausches als Goldgräbersiedlung entstanden ist und schon bald zu einem Handelszentrum heranwuchs, brachte ihr den Beinamen „Boomtown on the River“ ein, was auch Hinweis auf den Sacramento River ist, der genau hier den American River in sich aufnimmt.
Und verlässt man die Glitzerwelt der modernen Stadt um einzutauchen in den Orbit des „Old Sacramento “ mit den liebevoll restaurierten Strassenzügen und Häusern, da spürt man irgendwie diesen alten Zeitgeist der Pioniere und Abenteurer und spätestes beim Besuch des California State Railroad Museum und des Sacramento Historic Center, meldet sich die innere Stimme mit der Frage, wo bitte schön ist denn dein Cowboyhut ? Und so machte ich mich auf, mir dieses Zeichen setzende Utensil amerikanischer Lebensart zu beschaffen. An entsprechenden Angeboten, mangelt es in dieser alten Goldgräberstadt wahrlich nicht, aber wenn, dann muss es ein echter Stetson sein, wie mir die nette Verkäuferin bedeutungsvoll erklärte.

Dieser klassische Cowboyhut wurde 1865 erstmalig vom Hutmacher John Stetson hergestellt und basiert eigentlich auf den Kopfbedeckungen der mexikanischen Vaqueroindianer. Die Materialien variieren heute sehr und reichen vom klassischen Biberhaarhut, der locker einige tausend Dollar kosten kann, bis hin zu weniger teuren Exemplaren.

Für einen aus dieser Kategorie habe ich mich entschieden und hatte trotzdem fortan das unglaubliche Vergnügen, ein Gefühl zu verspüren, als käme die Postkutsche gleich als um die Ecke ...Es ist aber auch Tatsache, das dieser Hut nicht nur für nostalgieverliebte Touristen von einiger Bedeutung ist, sondern im täglichen Leben vieler Amerikaner auch heute seinen festen Platz hat und als selbstverständliches Kleidungsstück genutzt wird, was ich als ungemein symphatisch empfinde.

Als ich allerdings an diesem Abend zur blauen Stunde im Saloon meinen neu erstandenen Hut in den Nacken schob, mir einen Whisky bestellte und der Barmann mir diesen auch noch über den fast fünf Meter langen Tresen millimetergenau vor meine Hände schob ,ohne das auch nur ein winziger Tropfen auf die Tischplatte kam, dachte ich dann doch mehr an „die Rauchenden Colts ...am Fuß der blauen Berge...!!!!“

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Alcatraz, San Francisco
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Halloween in S.F>
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Stetson - der echte Cowboy Hut
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Sources: Von Bernd Küpperbusch - Autoren Info: Bernd Küpperbusch
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