
Zwischen Flugbuchung und Hotelrecherche vergessen viele Reisende einen Punkt: den Schutz persönlicher Daten. In den USA gelten beim Datenschutz grundlegend andere Regeln als in Europa. Das betrifft jeden, der dort sein Smartphone einschaltet oder sich in ein öffentliches WLAN einloggt. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten zahlt sich aus – am besten schon vor dem Boarding.
Warum der Datenschutz in den USA anders aussieht
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gibt EU-Bürgern seit 2018 umfassende Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten. In den Vereinigten Staaten fehlt ein vergleichbares Bundesgesetz. Stattdessen gelten branchenspezifische Einzelregelungen wie HIPAA für Gesundheitsdaten, der Gramm-Leach-Bliley Act für Finanzinformationen oder COPPA für den Schutz von Kindern im Netz. Reisende aus Europa fallen durch dieses Raster. Ihre Daten unterliegen in amerikanischen Netzwerken einem deutlich geringeren Schutz als zu Hause. Ob Hotel-WLAN, App-Nutzung oder Online-Einkäufe – überall hinterlassen Reisende digitale Spuren. Selbst aktiv zu werden ist deshalb keine Übervorsicht. Es ist schlicht vernünftig.
Lesetipp: Bei uns findet sich dazu ein ausführlicher Vergleich von Cloud-Daten in den USA und in der EU.
Typische Schwachstellen im digitalen Reisealltag
E-Mails ohne ausreichenden Schutz
Auch unterwegs verschicken die meisten Reisenden täglich E-Mails – an Familie, Arbeitgeber oder die Bank. Viele Standardanbieter setzen dabei keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Im Klartext: Nachrichten lassen sich auf dem Übertragungsweg abfangen. Für vertrauliche Korrespondenz bietet sich ein verschlüsselter Mail Dienst an, der Inhalte bereits vor dem Versand absichert. So bleiben sensible Informationen auch in fremden Netzen geschützt.
Dazu kommt ein Thema, das viele gar nicht kennen. E-Mail-Tracker stecken regelmäßig in Newslettern und Werbemails. Unsichtbare Tracking-Pixel übermitteln beim Öffnen einer Nachricht Standort, Gerätetyp und Zeitpunkt an den Absender. Dagegen hilft ein einfacher Schritt: Deaktivieren Sie das automatische Laden externer Bilder in Ihrer E-Mail-App.
Offene WLAN-Netze in Flughäfen, Hotels und Cafés
Kostenloses WLAN gehört in den USA zum Standardangebot. An Flughäfen, in Coffeeshops und Hotellobbys lockt der kostenlose Internetzugang. Die allermeisten dieser Netzwerke sind jedoch unverschlüsselt. Technisch versierte Angreifer im selben Netz könnten den Datenverkehr mitlesen – Sie bemerken den Zugriff in aller Regel nicht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, vertrauliche Daten in öffentlichen Netzen ausschließlich per VPN zu übertragen. Alternativ lässt sich ein mobiler Hotspot über eine lokale Prepaid-SIM nutzen. Die gibt es am Flughafen oder vorab im Netz. Damit bleibt der gesamte Datenverkehr unter eigener Kontrolle.
Fünf Maßnahmen, die sofort helfen
Mit wenigen Vorbereitungen lässt sich das Risiko auf Reisen erheblich senken:
- Zwei-Faktor-Authentifizierung für E-Mail, Online-Banking und Social-Media-Konten aktivieren. Am besten erledigen Sie das noch vor der Abreise.
- VPN einrichten und testen, solange Sie noch im heimischen WLAN sind. Gratisangebote taugen erfahrungsgemäß wenig. Seriöse Dienste kosten wenige Euro im Monat.
- Öffentliche USB-Ladestationen meiden. Das FBI hat vor sogenanntem „Juice Jacking“ gewarnt – dem Einschleusen von Schadsoftware über manipulierte USB-Ports. Ein eigener Akku oder ein reines Ladekabel ohne Datenfunktion schafft Abhilfe.
- Passwörter vor Reiseantritt aktualisieren. Zugangsdaten sollten niemals auf fremden Geräten gespeichert werden.
- Unnötige Apps löschen. Jede Anwendung erhebt im Hintergrund Daten – auch im Ruhezustand.
Wenig Aufwand für mehr Sicherheit
Datenschutz im Ausland klingt nach Arbeit. In Wirklichkeit brauchen die meisten dieser Maßnahmen keine halbe Stunde. Einmal umgesetzt, zahlen sie sich auf jeder weiteren Reise aus. Die eigenen Daten im Griff zu haben gehört zum Reisen dazu – genauso wie der Reisepass im Handgepäck. Im Nachhinein fragen sich die meisten, warum sie nicht schon früher damit angefangen haben.

